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Frisch aus der Redaktion

Küchentalk im Januar/Februar

Autor: Annemarie Wildeisen's KOCHEN | Freitag, 05.02.2010
KOCHEN besucht jeden Monat Leserinnen und Leser in ihren Küchen. Eine Serie mit verschiedensten Gerüchen, Gerichten und Geschichten. Diesmal sind unsere Redaktorinnen zu Gast bei Liz Jaberg in Ittigen bei Bern.

«Uuu, i ha mi gfröit!», begrüsst uns Liz Jaberg vor ihrem Haus, das wir nach einem Irrweg entlang unzähliger Fabian-Cancellara-Plakate – man ist sichtlich stolz auf «seinen» Fäbu – doch noch gefunden haben. Von welchem Heftli wir nöime kämen, «Migros oder Coop?» egal. Freude herrscht, weil sie uns heute als Gastgeberin verwöhnen darf. Das macht sie, wie bei unseren Küchentalkerinnnen und -talkern so üblich, fürs leben gern. Sie solle aber ja keine Umstände machen, haben wir wie immer vorausgeschickt. Bei Liz Jaberg stiess dies auf taube Ohren: Serviert wird an einem aufwändig und mit viel Liebe zum Detail dekorierten Tisch ein Fünfgänger. Plus eine bewegte Lebensgeschichte.

Ihr Mann sei «e Wäutsche» gewesen, ein Gourmet, wie sie uns erzählt. Gekocht habe er zwar nie, liess sich aber umso lieber von seiner Frau bekochen und unterstützte ihre Leidenschaft Winter für Winter mit einem Kochkurs bei Urs Hauri in Bern.

 



Das Küchentalk-Rezept:

Bananen mit Maraschino

 

 

So, Liz!
Kennen gelernt haben sie sich irgendwann an einem 17. Von da an überraschte sie ihn an jedem 17. des Monats mit einem verrückten Menü, er steuerte zu diesem denkwürdigen Tag Blumenstrauss und Liebesbrief bei. ein wunderbares Ritual. Und etwas von Vielem, das seit seinem Tod vor sechs Jahren fehlt. Es seien schwierige, einsame Jahre gewesen. nun aber bekoche sie wieder mit Freuden Gäste, erzählt sie bei knusprig gebratenen Speckzwetschen, Physalis und Kiwi Gold. Und irgendwann habe sie sich einen weiteren Ruck gegeben und sich gesagt «so, Liz, jtz geisch go tanze!» So fegt sie nun regelmässig beim Alterstanzen der Pro Senectute in Cha-cha-cha- und anderen Schritten übers Parkett – als fast Jüngste, wie sie augenzwinkernd zwischen zwei Bissen Trüffelschinken mit Spargeln beifügt. An einem dieser Anlässe mit Live-Musik und heissen Rhythmen hat sie einen Künstler kennen gelernt, der ihr seine Welt voller Farben zeigt. Sie im Gegenzug führt ihn in die Kunst der hohen Gastronomie ein. «Er findet alles super, was ich für ihn koche», erzählt sie strahlend. «Stellt euch vor, er hat so viele feine Sachen nicht gekannt und nun schlürft er genüsslich Austern!»

Ein Mann für Haus und Garten
Die quirlige Liz Jaberg ist auch anderen Senioren nicht entgangen. Jedenfalls, erzählt sie mit leiser Empörung beim Lachs-Spinat-Gratin, habe sie Auto- und Telefonnummer sperren müssen: «Unglaublich. Plötzlich kamen Anrufe oder es standen Blumen vor der Tür!» Von rüstigen Rentnern kann sie noch ein ganz anderes Lied singen. auf ihr zwecks teilen des zu gross gewordenen Hauses spontan geschaltetes Inserat à la «Gesucht wird: Mann für Haus und Garten», trafen 200 Briefe ein. «Ihr glaubts nicht: 180 davon von verheirateten Männern. Das hätte denen so gepasst – und dann noch schnell en passant den Rasen mähen», schmunzelt sie. nun sucht sie halt nach einem kleineren Heim und im Bantigerwald nach Morcheln und Pilzen, betreut ehrenamtlich betagte Menschen, bastelt Tisch- und Raumdekorationen, arbeitet am Buffet im Restaurant der Autobahnraststätte Grauholz oder frönt eben ihrem grossen Hobby. teils sogar vor dem TV: «Ich gucke sooo gerne Kochsendungen – am allerliebsten ‹Das perfekte Dinner›. Das gibt Ideen und macht Kochbücher überflüssig.» Und da sie mit Vergnügen «im Dütsche» einkauft, «weil die noch andere Sachen haben als wir», ist für Inspiration und 100 weitere Ideen sowieso gesorgt. Und für das perfekte Dinner ohne Scheinwerfer und Kameras.

 

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