Küchentalk im September
«Keinen Alkohol», schwören wir uns auf der Postautofahrt durchs schöne Fricktal mehrmals, da sich die kurvige Strasse bereits kurz nach dem Benkerjoch in Kopf und Magen bemerkbar macht. Die guten Vorsätze lösen sich bald darauf bei Jacqueline Schellers Frage «etwas Lachspizza und ein Glas kühler Champagner zum Apéro?» unwiderruflich in Perlen auf. Veuve Cliquot morgens um elf hat man nicht alle Tage. Und man sitzt auch nicht alle Tage bei einer Kochbuchautorin am Tisch.
Werbegeschenk mit Folgen
Ihr Erstlingswerk «Köstlichkeiten aus meiner Küche» hat uns derart begeistert, dass wir uns kurzerhand selber in Zuzgen eingeladen haben. So was bringt Jacqueline Scheller keineswegs aus dem Konzept: Sie ist flexibel – «wenn ich in meinem Leben etwas gelernt habe, dann dies» – und eine erfahrene Gastgeberin. Während der siebenjährigen Auslandtätigkeit ihres Mannes in Mobile, Alabama, hat sie mangels guter Restaurants in der Umgebung enorm viele Gäste bewirtet, viel Neues ausprobiert – «die Ideen kommen meist nachts, wenn ich ein kleines Hüngerli habe» – und tutti quanti selber zubereitet, bis hin zum Brot. Dieses natürlich mit Trockenhefe, denn Frischhefe gibts in den
USA nur mit Waffenschein. Biohazard.

Das Küchentalk-Rezept:
• Lachspizza
Kochen und Backen, das ist Jacquelines Leidenschaft, seit sie 10 Jahre alt ist. Mit der Back-o-matic-Rezepttabelle, ein Werbegeschenk von Maizena scheints, hat alles angefangen – «ich konnte die Rezepte auswendig, aber die Spitzbuben waren meine Lieblinge» –, seither hat sie die Passion nicht mehr losgelassen. Über Jahre und viele Gästerunden hinweg haben sich haufenweise schriftlich festgehaltene Rezeptkreationen angesammelt. Irgendwann hat sie den Entschluss gefasst, ein Kochbuch zu veröffentlichen, erteilte ihrem Mann den Dauerauftrag, äusserst kritisch zu sein, und fotografierte fortan jedes Gericht. Was ihre Gäste, die vom Projekt (noch) nichts wussten, bisweilen etwas konsterniert habe, wie sie uns beim Löffeln des herrlichen kalten Gurkensüppchens aus hausgemachten Eisschalen (zerstossenes Eis in eine Schale geben, eine etwas kleinere Schale hineinstellen, den Zwischenraum mit Wasser füllen und ab ins Eisfach. Sehen toll aus und sind im Nu abgewaschen.) erzählt.
Ente weckt Tiger
Möglichst viel Zeit für die Gäste haben, das sei das Hauptkriterium für ihre Rezeptauswahl. Super für alle Gastgeber, Pech für die Fotografin: Ausser Entenbrüste anbraten gibts in der Küche heute keine Action, alles ist «mise en place» oder gart vor sich hin. Die Köchin, die es «gerne schön und gut, aber nicht steif» mag, sitzt entspannt auf der sonnigen Terrasse, plaudert und geniesst mit den Gästen und schenkt immer mal wieder vom herrlichen Ca’ di Frara ein, eine Barbera-Pinot-noir-Cuvée aus der Lombardei. Der verführerische Fleischduft aus unseren Tellern weckt auch den «Tiger», die unglaublich liebe und verschmuste Dobermannfrau Zina, aus ihrer Siesta am Pool auf. Wenn Entenbrust an Orangen-Ingwer-Sauce auf dem Tisch steht, gibt sie sich nicht mehr bloss mit Streicheleinheiten zufrieden. Dumm gelaufen Zina, da nützt auch dein Dackelblick nichts: Frauchen bleibt standfester als wir mit dem Alkohol.
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