Küchentalk im Mai - Eine Studentin packt an
Unser erster Versuch, uns bei Marietta Wullschleger einzuladen, fiel ihren Zwischenprüfungen an der Uni Zürich zum Opfer. Und sie befürchtete schon, den Talk damit ein für alle Mal vermasselt zu haben.
Natürlich nicht – eine Tiermedizinstudentin auf einem Bauernhof, das tönt zu ergiebig für Text und Bild, um nicht einen zweiten Versuch zu starten. Obwohl wir sie, wie sie zugibt, schon ein bisschen nervös gemacht hätten. aber schliesslich habe sie sich gesagt: «Die meinen es ja sicher gut mit mir.» Durchaus!
Praxis auf der Hinterburg
Dass eine Studentin auf einem Bauernhof einzieht, ist nicht gerade alltäglich. Das kam so: nach der Matura schaltete sie ein Zwischenjahr ein, absolvierte auf der Hinterburg hoch über Meilen ein Landwirtschaftspraktikum, begann ihr Veterinärmedizinstudium an der Uni Zürich, zog nach einem Jahr aus dem elterlichen Heim in Erlenbach aus und hinauf auf die liebgewonnene Hinterburg. Ideal für eine Studentin ihres Fachs; nach dem sehr theorielastigen Teil in Zürich warten im Stall Studienobjekte diversester Arten und Rassen – da wird immer mal wieder gekalbert, gehustet oder gefiebert. Marietta Wullschleger hilft, wann immer sie Zeit findet, tatkräftig auf dem Hof mit und übernimmt auch die vom Tierarzt verordnete Nachbehandlung bei diversen «Bobos». Wenns hilft, gerne auch mit hauseigenem Pflümli.
Keine Rede von süssem Studentinnenleben. Zum «buuren» und «doktern» dazu kommen täglich sechs bis acht Stunden an der Uni, regelmässige Nachtdienste am Tierspital, der Heimweg vom Bahnhof Meilen auf die Hinterburg, gleichsam einer kleineren Bergwanderung, und als Dach über dem Kopf ein ganzes, nicht selbstreinigendes Haus. Und hohe Ansprüche: «Ich habe es gerne ordentlich und sauber, das habe ich von zu Hause so mitbekommen», erklärt sie fast entschuldigend. Bauer Adrian, mit dem sie das Haus teilt, hat in dieser Hinsicht eine weit höhere Schmerzgrenze. Inzwischen aber, versichert sie uns, hätten sie sich in Sachen Aufräumen und Putzen gefunden.
Das Küchentalk-Rezept:
• Zwetschgen-Tiramisu
Unbekanntes Panorama
Bei einem Glas Riesling x Sylvaner – köstlich! – vom hofeigenen Rebberg bereitet unsere Gastgeberin die Vorspeise zu: ein reichhaltiger Salat mit Äpfeln, Birnen, Kernen und Nüssen an Gorgonzolasauce. Der Blick aus dem Wohnzimmerfenster lenkt, trotz knackigem Salat im Teller, immer wieder vom talken ab. Hie und da erspäht man eine Ecke vom Zürichsee, vor allem aber präsentiert sich an diesem frühlingshaften Tag ein herrliches Panorama. Als Berner sind wir mit diesen Gipfeln natürlich heillos überfordert. Tröstlich, tröstlich, dass Marietta Wullschleger als Einheimische auch bloss die Rigi kennt!
Zum Hauptgang gibts Bulgur mit Dörrfrüchten, dazu ein herrliches Ratatouille. Für dieses sei sie im Freundeskreis bekannt – inzwischen auch bei uns! Sie brät das Gemüse mit Olivenöl, Salz und Pfeff er im Ofen vor und gart es anschliessend mit einer Tomatensauce in der Pfanne fertig. Super! Nach dem
Essen sollst du … aufräumen
Marietta Wullschleger ist seit einigen Jahren Vegetarierin, schliesst aber nicht aus, dass sie eines Tages wieder Fleisch ist. «Mich stört es auch nicht, wenn andere Fleisch essen. Und bei einem Ragout zum Beispiel nehme ich einfach die Fleischwürfel weg und esse die Sauce.» Eine unkomplizierte Vegetarierin. Und sie habe, gesteht sie uns, gar überlegt, ob sie heute «für so hohen Besuch nicht ein Stück Fleisch machen sollte …» Schliesslich – und zum Glück – sei sie aber zur einsicht gekommen, dass wir ja wohl wissen möchten, wie sie im Normalfall so koche.
Normalfall heisst, dass sie meist für sich alleine kocht – mit Vorliebe Italienisches und Indisches. Gemeinsame Nachtessen mit ihrem Wohnpartner Adrian sind selten. Sie esse halt mit Vorliebe Salat, Früchte und Getreide, und dies «so richtig bünzlig» um 19 Uhr. er hingegen steht auf Fleisch und Teigwaren, Uhrzeit egal, es kann auch mal 22 Uhr werden. Aber dann bitte noch die Küche aufräumen, Adrian!
Stutenbissige Hündin
Vor dem Zwetschgen-Tiramisù mit Früchten von den eigenen Bäumen sind wir ziemlich schlapp – üppige Mittagessen machen schläfrig. Um neue Energie zu tanken gibts eine Führung durch die Ställe, angeführt von Tilla, einer der beiden Hofhündinnen. So zugänglich und lieb sich die Schäferdame gibt, sie hat es faustdick hinter den Ohren. Streckt den Kopf zu den Kälbli rein, guckt sie lieb an und beisst ihnen dann husch husch in die Nase. Heute lässt sie die Kleinen in Ruhe, dafür gerät Stute Niagara kurz aus der Fassung. Wars das klicken der Kamera? Wohl kaum. Die Hündin wars, die stutenbissige.
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