KÄSE UND WEIN: EINE KOMPLIZIERTE LIEBE Fotolia

KÄSE UND WEIN: EINE KOMPLIZIERTE LIEBE

Zu Käseplatte gehört nur Rotwein? Von wegen! Diese Angelegenheit ist weitaus delikater …

Für meinen Schwiegervater war alles noch klar. Zum Käse nach dem Essen holte er eine ordentliche Flasche reifen Burgunder aus seinem wohlbestückten Keller. Und das hat uns allen geschmeckt. Inzwischen ist die Welt aber komplizierter geworden:

Es gibt unendlich viele Käse und noch viel mehr Weine.

Und all das will natürlich kombiniert und probiert sein. Wenn sich dann zwei finden, ist das, wie im richtigen Leben, das Glück auf Erden. Wie eine Agentur für die Partnersuche wollen wir diesem Glück hier ein wenig nachhelfen:

Weichkäse mit weissem Schimmel (Brie, Camembert). Diese Käse müssen gut reif sein und innen leicht fliessen. Die zarten Aromen vertragen sich am besten mit einem weichen und nicht zu säurebetonten Weisswein, zum Beispiel Chardonnay aus dem Mâconnais oder Soave aus dem Veneto. Wer einen Rotwein bevorzugt, sollte es mit einem Gamay aus dem Kanton Genf oder einem Beaujolais versuchen. Und wer gerne über den Weinzaun hinausblickt, findet dort mit einem Glas Cidre einen ungewöhnlichen, aber sehr empfehlenswerten Partner.

Halbweichkäse (Tête de Moine, Taleggio, Vacherin). Fast ein wenig cremig, vollmundig und mild fühlen sich diese Käse im Munde an. Dabei sind sie aber meist deutlich salzig und oft ein wenig säuerlich. Ein reicher Chasselas aus dem Lavaux wäre meine erste Wahl, aber auch elegante samtige Rotweine wie ein Pinot Noir, ein Merlot oder ein Gamay sind Partner mit vielen Matching Points.

Hartkäse (Gruyère, Emmentaler, Sbrinz, Pecorino Romano). Das ist eine sehr farbige Familie mit lauter eigenwilligen Charakterköpfen. Der Wein muss dem standhalten können. Wieder empfehlen wir an erster Stelle einen würzigen, ausdrucksstarken Weisswein, einen Fendant aus dem Wallis, einen Grünen Veltliner oder einen Sauvignon Blanc von der Loire. Aber wunderbar passt auch ein trockener Gewürztraminer. Bei den Roten liegen wir mit Pinot Noir wie (fast) immer richtig. Und noch ein Geheimtipp: frisch gezapftes Pils.

Blauschimmelkäse (Gorgonzola, Roquefort, Stilton). Hier ist ein Süsswein einfach ein Muss, denn die würzig-salzige Power des Käses braucht einen Dompteur im Glas, der sie bezwingen kann.

Das grossartige Spiel zwischen den beiden Polen ist ein Klassiker der hohen Gastronomie.

Als Weine kommen in Frage: natürlich Sauternes oder Spätlesen aus dem Wallis, Vin Santo aus Italien, Portwein aus Portugal, Recioto della Valpolicella, und, und, und ... Und dann: zurücklehnen und die lärmige Welt für einen langen Augenblick vergessen.