Gewürzgarten

Lorbeerblätter

Lorbeerblätter Redaktion KOCHEN

Lorbeerblätter gelten als Allerweltsgewürz – doch damit wird man ihnen überhaupt nicht gerecht. Lorbeerblätter haben nämlich einen intensiven, herb-aromatischen Geschmack.

Die Lorbeerpflanze stammt ursprünglich aus Kleinasien, wo sie vor allem in den heutigen Ländern Türkei, Syrien und dem südlichen Kaukasus in natürlicher Form zu finden war. Das überschneidet sich auch mit der kulturgeschichtlichen Bedeutung des Lorbeers: Im alten Griechenland wurde er zunächst als Zierpflanze zur Herstellung von Kränzen verwendet. Im römischen Reich hingegen etablierte sich der Lorbeer schliesslich als das Symbol für Ruhm, Ehre und Erfolg; man krönte mit den Kränzen Sportler und siegreiche Generäle, allen voran der berühmteste aller Lorbeerkranzträger, Julius Cäsar, der das Gewächs angeblich auch aus Eitelkeit trug, verdeckte es doch seine Glatze. Erst im Mittelalter wurde der Lorbeer in Mitteleuropa zunehmend auch für seine Vorzüge als Gewürz- und Heilpflanze geschätzt. Das lag vor allem an der Äbtissin Hildegard von Bingen, die in ihren naturheilkundlichen Werken Lorbeer als Zutat von Weinsud empfahl, um damit vielseitige Beschwerden zu lindern. Heute wird der Lorbeer vorrangig in Griechenland, Italien, Spanien sowie Tunesien und Algerien kultiviert, wo die Pflanze in den sonnenexponierten, eher trockenen Anbaugebieten bei einer jährlichen Durchschnittstemperatur von mindestens 15 Grad und lehmigen Böden optimale Bedingungen vorfindet.

Die edlen Blätter findet man bei uns meist in getrockneter Form. Die darin reichlich enthaltenen ätherischen Öle gehen durch den Trocknungsprozess kaum verloren. Dennoch bietet frischer Lorbeer ein ganz anderes Geschmackserlebnis. Es lohnt sich somit, sich ein eigenes dieser dekorativen Bäumchen anzuschaffen. Auch, weil diese mehrjährige Pflanze sich völlig unproblematisch in einem Topf vor oder hinter dem Fensterbrett halten lässt. Lorbeer wird immer mitgekocht, da er einige Zeit braucht, um seine Aromastoffe zu entfalten. Wenn man die Ränder der Blätter einreisst, kommt das Lorbeeraroma noch besser zur Geltung. Seine herbaromatische Würze passt zu Braten, zu Ragouts, Geflügel und Wild, aber auch in Pasteten, Tomatensaucen, Curries sowie in Brühen und Eintöpfen. Lorbeer ist traditioneller Bestandteil eines jeden Bouquet garni, jenes berühmten Gewürz- oder Kräutersträusschens der französischen Küche. Egal, wo Lorbeer zum Einsatz kommt: Seine gewaltige Würzkraft ist auf keinen Fall zu unterschätzen, weshalb bei der Dosierung einmal mehr gilt: Weniger ist mehr.