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BLAUBURGUNDERLAND

BLAUBURGUNDERLAND Robert Boesch

Vor genau 15 Jahren verkündete der Branchenverband Schaffhauser Wein, er nenne das eigene Anbaugebiet fortan Blauburgunderland. Wir meinen absolut zu Recht.

Einmal, weil an rund siebzig Prozent der Schaffhauser Weinstöcke Blauburgunder-Trauben hängen. Vor allem aber, weil sich die oft als schwierig und kapriziös gescholtene Rebsorte in diesem lieblichen Hügelland offensichtlich wie zu Hause fühlt. Ganz bestimmt wäre sie mit dem Titel Blauburgunderland mehr als nur einverstanden.

Der Blauburgunder liebt ein kühles, aber nicht zu feuchtes Klima. Und genau das findet er hier:

Der Schwarzwald im Norden und Westen und der nahe Randen geben den Rebbergen Wind- und Regenschatten.

Kaum einmal steigen Nebel hinauf. Die Trauben können so im Herbst in kühler, aber sonniger Luft ungestört und wunderbar ausreifen.

Wir lieben den Blauburgunder vor allem, weil er den Boden, auf dem er wächst, so klar und unverfälscht im Wein spiegeln kann. Im Burgund, der Heimat des Blauburgunders - dort heisst er Pinot noir - sollen die Mönche sogar die Erde des Bodens verkostet haben, um die besten Lagen zu finden. Vor allem liebt er Kalk. Und den finden seine Wurzeln hier überall, als Kies, als Schotter oder als verwitterten Fels. Denn vor einigen zehntausend Jahren floss der Rhein in immer neuen Mäandern durch das Gebiet und mischte in seinen Ablagerungen den Jurakalk mit feinen Ton- und Lehmschichten.

Heute ist das ganze Blauburgunderland ein grosses Kaleidoskop an Böden.

Auf leichtem Kiesuntergrund sind die Weine fein, filigran und elegant, auf den schwereren lehmigen Böden dagegen kraftvoll, straff und strukturiert.

Nun liegt es in der Hand des Winzers, wie er diesen Schatz hebt und formt. Viele versuchen die Lage, das Terroir im Wein zum Ausdruck zu bringen, andere dagegen suchen das Glück in der Vereinigung verschiedener Lagen und in der Komplexität, die man so erreichen kann.

Bei rund 500 Winzerinnen und Winzern, die hauptberuflich oder in ihrer Freizeit in den Rebbergen des Kantons arbeiten, und bei immerhin 19 Weinkellereien kann man sich mit viel Genuss und Freude durch dieses wunderbare Kaleidoskop Blauburgunderland «hindurcharbeiten» und immer wieder neue und überraschende Facetten dieser so wandlungsfähigen Rebsorte kennenlernen. Auf www.blauburgunderland.ch findet man viele Informationen, die einem schon mal das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.