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Vive la France! 10 Reisetipps zum Träumen

Vive la France! 10 Reisetipps zum Träumen iStock.com

Frankreich! Kaum eine Destination ist so abwechslungsreich wie unser Nachbarland – und die Möglichkeiten, es zu bereisen, sind schier unendlich. Unser Reiseredaktor stellt 10 seiner Wunschziele vor, die er hoffentlich bald wieder besuchen kann.

Savoirvivre

Warum es unseren Reiseredaktor Nicolas Bollinger immer wieder nach Frankreich zieht.
Wussten Sie, dass Frankreich das meistbesuchte Land der Welt ist – und zwar seit Jahren? Kein Wunder, denn dieses Land hat enorm viel zu bieten! Bis vor ein paar Jahren ging es mir wie vielen Deutschschweizern: Ich war ziemlich Italien-orientiert, vor allem durch die Ferien in der Kindheit. Ein Aufenthalt in der Provence hat jedoch alles verändert. Ich lernte dieses Land mit seiner Hochkultur des Genusses und seinem Savoir-vivre nicht nur kennen, sondern auch lieben. Seither bin ich hoffnungslos frankophil und versuche jeden Winkel der «Grande Nation» zu bereisen und zu erschmecken. Von Nizza bis in die Bretagne, vom Elsass bis zu den Pyrenäen. Und meine Reise ist noch lange nicht zu Ende. Gerne lade ich Sie ein, mich zu begleiten! Bon appétit!

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Die Rhone

Eine tolle Route, um einen Teil Frankreichs zu entdecken: Folgen Sie dem Lauf der Rhone! Vom Genfersee bis zur Gourmetmetropole Lyon, vorbei an den Weinbergen der Côtes du Rhône. Weiter stromabwärts passiert sie Valence, Montélimar und Orange, durchquert Avignon, die Provence und Arles, ehe sie in der Camargue ins Mittelmeer mündet. Wer das alles vom Wasser aus erleben möchte, kann das beispielsweise mit dem Reisebüro Mittelthurgau. www.mittelthurgau.ch

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Südburgund, Beaujolais & Bresse

Genusshimmel und Geheimtipp in einem. Wieso? Charolaisrind, Bressehuhn und jede Menge Wein – noch Fragen?

«Burgund ist kein Land, Burgund ist das Leben», hat François Mitterand einmal gesagt. Kein Wunder, denn beim Burgund entweichen geflügelte Worte wie bei einem Springbrunnen – Gevrey-Chambertin, Pommard, Meursault, Puligny-Montrachet, Epoisses, Charolais, Coq au vin, Moutarde, Escargots und natürlich la Côte-d’Or! Das liesse sich fast unendlich fortsetzen; jedenfalls wird schnell klar: Französischer ist kaum eine Landschaft. Während es die meisten fast unweigerlich nach Beaune oder Dijon zieht, sollten wir es wie Monsieur Mitterand machen und im Süden bleiben. Dort, wo der markante Felsenkegel des Roche de Solutré (den der Ex-Präsident jedes Jahr einmal bestiegen hat) aus einem Meer von Reben ragt, wo die sanften Hügel des Brionnais einem grünen Wellenmeer gleichen, lediglich gesprenkelt mit friedlich grasenden Charolaisrindern.

Viel zu viele Reisende kennen diesen bezaubernden Landstrich lediglich vom Vorbeifahren, etwa auf dem Weg Richtung Lyon. Daher: Runter von der Autoroute, Ausfahrt Mâcon, denn die am Ufer der Saône liegende Stadt versprüht mit ihren bunten Fassaden und ihren Dächern mit runden Ziegeln ein geradezu südländisches Flair. Oder hinaus in die Ebene der Bresse, Heimat des besten Geflügels der Welt, wovon man sich etwa beim wöchentlichen Geflügelmarkt in Louhans eindrücklich überzeugen kann. Von Mâcon ist es nicht weit bis Cluny mit seiner historischen Klosterruine, wo man sich im «La Halte de L'Abbaye» ein perfekt gegrilltes Charolais-Entrecôte mit einer göttlichen Sauce Epoisse gönnen sollte. Nur etwas weiter südlich und man befindet sich im Beaujolais, einst eine eher etwas belächelte Weinregion, aber dank der Innovationskraft vieler kreativer Jungwinzer mittlerweile einer der spannendsten Hotspots für entdeckungsfreudige Weinliebhaber.

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Arles & die Camargue

Von den Römern bis zu Van Gogh: Arles besitzt einen enormen Reichtum an Kunst, Kultur und Geschichte. Ausserdem ist die Stadt das Tor zur einzigartigen Kulturlandschaft der Camargue.

Ich bin gerne in der Camargue – sie versprüht einen geradezu mystischen Zauber: Urwüchsige Sümpfe, riesige Salzgärten, überschwemmte Reisfelder, urbares Weideland, weitläufige Sanddünen, die alte Stadt Aigues-Mortes mit ihrem morbiden Charme und das pittoreske Fischerdorf Saintes-Maries-de-la-Mer. Und natürlich die Spezialitäten! Stierwürste, Camargue-Reis und das aus den Salinen gewonnene Fleur de Sel. Doch wer in die Camargue will, kommt an Arles nicht vorbei. Nicht nur die Römer haben hier sichtbare Spuren hinterlassen – man nehme nur das monumentale Amphitheater – sondern auch Vincent van Gogh, der hier eine Zeit lang gelebt hat und seine Stadt in zahlreichen Gemälden verewigt hat. Heute wirken in Arles andere Künstler, etwa im Bereich der Kulinarik: Kein Vorbeikommen gibt es an Jean-Luc Rabanel, einem Visionär, der vor allen anderen eine auf Pflanzen basierende Gourmetküche propagiert hat. Gemüse, Wurzeln, Pflanzen, Blätter, Blumen und Wildkräuter werden so zu den Hauptdarstellern seiner Kreationen. Doch auch wegen des riesigen provenzalischen Wochenmarkts ist Arles eine der ersten Adressen für Geniesser. Etwas ausserhalb der Stadt liegt die Gebirgskette der Alpilles, wo man unbedingt das Dorf Les Baux-de-Provence, welches von einer gespenstischen Schönheit ist, besuchen sollte. Und wenn man gleich dabei ist, lohnt sich ein Abstecher zum Château d'Estoublon, wo grossartige Weine und ein Olivenöl der Spitzenklasse produziert werden.

Die Haute-Provence

Nirgendwo ist die Provence wilder, bergiger, einsamer. Besonders in der Trüffelsaison herrschen paradiesische Zustände.

Manchmal, da bin ich bis zu viermal pro Jahr in dieser Gegend – und doch kann ich mich nicht sattsehen an der schroffen Schönheit der Berge, Schluchten und Wälder, nicht sattriechen am betörenden Duft der endlosen Lavendelfelder, dem Bouquet aus Rosmarin, Thymian und Bohnenkraut. Klingt klischeehaft, ist aber so! Ein Geheimtipp ist die Provence schon lange nicht mehr, die Region Var im Speziellen allerdings schon – man könnte gar vom bestgehüteten Geheimnis der Provence sprechen. Zwischen der Küstenlinie, die sich von Toulon bis Saint-Tropez erstreckt, und dem Hinterland von Manosque und Sisteron erheben sich steile, bewaldete Höhenzüge, die in tiefe, enge Schluchten abfallen. Eine spektakuläre, zuweilen schwer zugängliche Landschaft. Mittelalterliche Dörfer wechseln sich ab mit Reben und Lavendel, eine Gegend so einsam, dass selbst kurz ausserhalb grösserer Städte Wildschweine die Strassen queren.

«Ein Geheimtipp ist die Provence schon lange nicht mehr, die Region Var im Speziellen allerdings schon – man könnte gar vom bestgehüteten Geheimnis der Provence sprechen.»

Und wenn sich aus dem leuchtend blauen Wasser des Lac de Sainte-Croix die Verdon-Schlucht schwindelerregend aus der Tiefe erhebt, ist das von geradezu erschütternder Schönheit. Der Var bietet nicht nur Poeten, sondern auch Gourmets Zuflucht: In irgendeinem Dorf ist immer Markttag, jedes einzelne Mal ein Fest für die Sinne. Oder nach Moustiers-Sainte-Marie, einem der schönsten Dörfer Frankreichs, wo etwas ausserhalb in einer alten Bastide die Landschaft auf den Teller kommt: Olivenbrot und Aubergine, Tomaten und Johannisbeeren aus dem Garten, gegrillter Oktopus mit Mandeln und Pfirsich, Sisteron-Lamm, gegrilltes Perlhuhn oder eine Käseauswahl, die ausschliesslich aus lokalem Ziegenkäse besteht. Oder in der Trüffelzeit nach Aups an den Trüffelmarkt, gefolgt von einem Glas Pastis im Grand Café du Cours; und dann zu «Bruno» in Lorgues, wo es die weltbeste Kartoffel (natürlich mit frischen Trüffeln) gibt, ah wie paradiesisch! Die gute Nachricht: Abgesehen vom Frühling ist im Var immer Trüffelzeit...

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Marseille & die Küste

Die Heimat der Bouillabaisse ist ein ungeschliffener Diamant.

Ja, es stimmt, Marseille hatte noch nie den besten Ruf. Lange galt die zweitgrösste Stadt Frankreichs als schmutzig, kriminell und gefährlich – ein Image, das die Hafenstadt noch immer nicht ganz losgeworden ist. Aber seit Marseille im Jahr 2013 Kulturhauptstadt Europas war, hat sich enorm viel getan; die Stadt hat sich regelrecht herausgeputzt und ist jederzeit einen Besuch wert. Das Herz der Stadt ist und bleibt der alte Hafen Vieux-Port, wo Fischer ihren Fang direkt an der Anlegestelle verkaufen.

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Hier merkt man gleich, dies ist nicht nur die Heimat des «Pastis de Marseille» (im Maison du Pastis gibt es unglaubliche 65 Sorten!), sondern auch der legendären Bouillabaisse! Um dieses ikonische Gericht in seiner wahren Form zu geniessen, ist etwa das «Miramar» von Chef Christian Buffa eine gute Adresse, denn hier garantiert die «Bouillabaisse-Charta» für Authentizität: Genossen wird eine echte Bouillabaisse nämlich in zwei Gängen: Zunächst gibt es nur den Fond, in den geröstete Baguette-Scheiben gelegt und mit rouille betupft werden. Beim zweiten Gang werden die Edelfische in die Suppe gelegt und genossen. Bon appétit!

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Lyon – was sonst?

Nur, damit es klar ist: Die unbestrittene Gourmet-Hauptstadt des Landes ist nicht Paris, sondern Lyon!

Ich war schon viel zu lange nicht mehr in Lyon. Auch nach dem x-ten Besuch hat dieses Schlaraffenland immer wieder etwas Neues zu bieten. Es liegt wohl an der geografischen Lage, weshalb Lyon zur «Welthauptstadt der Gastronomie» werden konnte, denn die Stadt ist ein wahrer Kreuzungspunkt für Delikatessen! Hier kommt alles zusammen: Rindfleisch aus dem Charolais, Geflügel aus der Bresse, Käse aus der Auvergne, Fisch aus den Gebirgsseen der Alpen, Obst von den Coteaux du Lyonnais und aus der Drôme, Wildbret aus der Dombes… Nicht zu vergessen die unmittelbare Nähe zu den berühmtesten Weinbaugebieten der Welt: Bourgogne, Côtes Rôties, Condrieu, Côtes du Rhône… Und noch besser: Das alles findet man an einem unglaublichen Ort, den Markthallen «Halles de Lyon-Paul Bocuse», dem Bauch von Lyon mit seinen paradiesischen Ständen und Restaurants. Als Geniesser kommt man aus dem Staunen und Schwärmen nicht mehr heraus; ich könnte Stunden dort verweilen! Auch wenn «Monsieur Paul» nicht mehr auf Erden weilt, prägt er das gastronomische Leben der Stadt wie kein Zweiter. Ein Besuch seiner «Auberge du Pont de Collonges» ist immer noch ein Erlebnis, aber auch jenseits des Sternenhimmels begeistert Lyon mit seiner legendären Küche, die man in den authentischen «Bouchons» findet. Über 4000 Restaurants gibt es in Lyon – es gibt daher noch einiges zu tun und zu essen.

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Le Sud-Ouest: Toulouse & Carcassonne

Okzitanien ist ein Universum für sich: Zwischen Mittelmeer und Pyrenäen gibt es das grösste Weinbaugebiet des Landes, die Genussmetropole Toulouse, die überwältigende Festungsstadt Carcassonne und natürlich: Cassoulet!

Bei einer Reise durch den Südwesten könnte man ganz einfach auf den Spuren des Cassoulets wandeln und würde dennoch niemals satt werden. Über den Ursprung des legendären Bohnengerichts streitet man nämlich noch immer: Stammt es aus Castelnaudary, Carcassonne oder aus Toulouse? Jedes Cassoulet hat seine lokalen Besonderheiten. In Castelnaudary enthält es stets Gänseconfit, während man in Carcassonne Lammkeule und Rebhuhn hinzugibt.

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Nicht nur wegen dieser Spezialität gehört die mittelalterliche Festungsstadt zum absoluten Pflichtprogramm: Die gewaltige Burganlage umfasst eine doppelte, rund 3 Kilometer lange Ringmauer und 52 Wehrtürme und gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Und dann wäre da noch Toulouse, die Stadt der Geniesser, nur einen Katzensprung von den Pyrenäen und vom Mittelmeer entfernt. «La Ville rose» mit ihren rosa Ziegelfassaden, der herrschaftlichen Architektur und einer riesigen Markthalle hat selbstredend auch eine eigene Cassoulet-Variante: auf jeden Fall mit Schweinefleisch, aber auch Entenconfit, Schweinebauch, Würstchen, Lammhals und Lammbrust. Klar, Diätkost ist das nicht – und egal für welche Version Sie sich entscheiden, Hauptsache es gibt dazu einen kräftigen Rotwein aus einem der nahegelegenen Weingebiete Cahors oder Madiran.

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Chateau-Chalon & Arbois

Geheimtipp im französischen Jura und gleichzeitig eines der eigenwilligsten Weingebiete des Landes.

Das weinselige Herz des französischen Juras steht schon viel zu lange auf meiner To-do-Liste. Eigentlich ist es erstaunlich, dass dieses faszinierende Stück Frankreich immer noch als Geheimtipp gilt: Château-Chalon ist ein kleines Dorf mit bemerkenswertem Kulturerbe, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Es liegt auf einem felsigen Ausläufer im Jura und bewacht das uralte Weinbaugebiet Château-Chalon, wo ausschliesslich die Spezialität Vin Jaune aus der Rebsorte Savagnin (bei uns Heida) gekeltert wird. Der gelbe Wein ist einzigartig, denn er wird oxidativ ausgebaut: Auf der Oberfläche bildet sich eine Schicht aus Hefen, die aus der Kelleratmosphäre und dem Fass stammen. Diese Hefeschicht schützt nicht nur vor übermässiger, unerwünschter Oxidation, sondern verleiht dem Wein auch seinen einzigartigen Geschmack. Ich liebe Vin Jaune! Doch er ist nichts für Zuckerweintrinker: In der Nase würzig, fruchtig, nussig, hefig, am Gaumen dann aber ultratrocken, mineralisch mit einer aromatisch-pikanten Säure voller Frische und einem nussigen Abgang. Perfekt zu Comté, Flusskrebsen, Croûte aux morilles oder Bressehuhn mit Morcheln (keine Angst, das gibt es in den meisten Restaurants in der Gegend). Der Jura galt schon immer als Schatzkammer für besondere Rebsorten und Weine, neben Savagnin wären da etwa noch Poulsard und Trousseau; der süsse Macvin, ein aufgespriteter Wein, bei dem die Gärung mit Tresterbrand gestoppt wird; und Vin de Paille, ein Strohwein, bei welchem die hochreifen Trauben mindestens sechs Wochen in unbeheizten, gut durchlüfteten Räumen auf Strohmatten gelagert werden, bevor sie vergoren werden. Das alles findet man in der nördlich von Château-Chalon gelegenen Region um Arbois, zudem ein Mekka für Biodynamie und Naturwein, wo experimentierfreudige Weintrinker voll auf ihre Kosten kommen. Santé!

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Sur le pont d`Avignon...

Die ehemalige Papststadt im Schatten des Mont Ventoux überzeugt mit provenzalischem Charme und der Nähe zum Weingebiet Châteauneuf-du-Pape, den Alpilles und dem monumentalen Pont du Gard.

Bei Avignon und seiner Umgebung habe ich immer das Gefühl, man hätte versucht, wirklich alles reinzupacken, was irgendwie attraktiv wirkt: Eine geballte Ladung provenzalischer Charme, der gewaltige Gipfel des Mont Ventoux immer in Sichtweite, gepaart mit den Wahrzeichen einer grandiosen Vergangenheit: Der Papstpalast, die unfertige Brücke, auf der wohl nie getanzt wurde, die Stadtmauer, die Kirchen und die Kapellen verleihen der Stadt eine einmalige Atmosphäre. Aber auch jenseits des historischen Stadtkerns, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, tummeln sich die Highlights: Nicht weit ausserhalb liegt der päpstliche Weinberg, nichts anderes als das weltberühmte Weingebiet Châteauneuf-du-Pape, wo eine Vielzahl an Spitzenwinzern zur Degustation einlädt. Und von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zur alten Römerstadt Orange mit ihrem perfekt erhaltenen Theater. Apropos Römer: Ein paar Kilometer südwestlich befindet sich eines jener kulturhistorischen Monumente, welche man einmal im Leben besucht haben sollte, der Pont du Gard. Noch immer lockt dieses gewaltige römische Aquädukt Touristen aus aller Welt an – aus gutem Grund.

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Am Lac d`Annecy

Die Gegend um Annecy ist ein Gourmetparadies vor grandioser alpiner Kulisse.

Mit der Region Savoyen ist das so eine Sache: Entweder man steuert das weltberühmte Chamonix an oder man ist auf dem Weg in den Süden und fährt glatt vorbei. Dabei gäbe es so viele Gründe, etwa am Lac d`Annecy einen längeren Stopp einzulegen: Der zweitgrösste See Frankreichs ist gleichzeitig auch der sauberste in Europa – und das alles vor einer grandiosen alpinen Kulisse: imposante Berggipfel, eine intakte Natur mit eindrücklichen Schluchten und Wasserfällen. Auch Annecy selbst hat einiges zu bieten. Im «Venedig der Alpen» schlängeln sich kleine, schmale Kanäle sanft durch die pittoreske mittelalterliche Altstadt. Aber Vorsicht: Während der sommerlichen Hochsaison gleicht diese Idylle eher einem gnadenlos überfüllten alpinen Disneyland. Wie wäre es also mit einem Besuch im Herbst? Das wäre auch kulinarisch höchst interessant, denn die Gebirgsküche der Savoyer Alpen hat einen ganz eigenen Charakter. Und damit ist nicht nur der fantastische Käse gemeint. Geprägt durch aromatische Kräuter, exzellente Speisefische und Krustentiere aus den Gebirgsseen und Flüssen, ist die Küche dieser Region sehr eigenständig und wiedererkennbar.

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Sie stehen auf ein dicht gedrängtes Programm, hektische Citytrips und ein pulsierendes Nachtleben? Dann machen Sie einen Bogen um das französische Zentralmassiv, denn hier herrscht «tote Hose». Und genau deswegen sollten Sie dahin, denn eine Reise durch die Auvergne und Cantal ist Entschleunigung pur! Zwischen den gewaltigen Kegeln erloschener Vulkane breiten sich unendlich scheinende grüne Weiten aus. Eine atemberaubende Landschaft, die nur darauf wartet, erwandert zu werden. Oder man besteigt die elektrische Zahnradbahn auf den Gipfel des Puy de Dôme und geniesst auf 1465 Metern über Meer ein überwältigendes Panorama über die Vulkankette «Chaîne des Puys». Eine gute Basis, um die Gegend zu erkunden, ist der beschauliche Kur- und Wintersportort «Mont-Dore» am Fusse des Massif du Sancy. Von hier aus erreicht man Sehenswürdigkeiten wie etwa den leicht zu besteigenden Vulkan «Puy Pariou» oder das hinreissende, aus Lavagestein erbaute Dörfchen «Besse-et-Saint-Anastaise». Sie mögen Käse? Wunderbar, denn in der Auvergne ist man besessen davon!

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Probieren Sie, was das Zeug hält; Saint-Nectaire, Bleu d`Auvergne, Cantal ... alles vraiment formidable. Und an der «Truffade», gebratene Kartoffelscheiben mit geschmolzenem jungen Cantal, gibt es sowieso kein Vorbeikommen (in der Nachbarregion Cantal sind die Kartoffeln gestampft und man nennt es Aligot). Fahren Sie auf jeden Fall durch die Berge des Cantal, am besten über den Pass von Peyrol, den höchsten Strassenpass des Zentralmassivs. Um sich vom Staunen kurz zu erholen, empfiehlt es sich, in Salers einen Zwischenstopp einzulegen: Dieses Juwel mittelalterlicher Architektur trägt nicht zufällig denselben Namen wie die berühmten Salers-Rinder, die nebenbei auch verdammt gut schmecken. Und sollte es Ihnen passieren, dass sie kilometerlang nur noch im Schritttempo fahren können, weil eine Herde dieser Rindviecher die Strasse beansprucht, dann geniessen Sie es! Im Zentralmassiv ticken die Uhren eben etwas anders.