Eingeschenkt

Еin Ligurischer Abend Auch Im Glas

Еin Ligurischer Abend Auch Im Glas Istock.com

Nur gerade Mal ein halbes Prozent des italienischen Weins stammt aus dem schmalen und gebirgigen Küstenstreifen links und rechts von Genua. Aber: lieber Klasse als Masse.

Als Touristen und Wanderer kennen wir...

Als Touristen und Wanderer kennen wir alle die Cinque Terre der Riviera di Levante östlich von Genua. Früher wuchs an dieser spektakulären Felsenküste viel Wein, vielleicht sogar zu viel Wein. Heute aber ist der Weinbau nur noch das Hobby einer Handvoll Freaks. Auf nur noch 80 der ehemals 800 Hektaren stehen noch Weinstöcke. Unglaubliche 6700 Kilometer Trockenmauern zeugen aber immer noch von den vergangenen heroischen Zeiten, als hier in jeder Felsenecke ein paar Reben gepflanzt wurden. Kein Wunder, findet man den Cinque Terre (so heisst auch der Wein) heute selbst in der Gegend nur noch selten. Und noch seltener verirrt sich eine Flasche über die Berge zu uns.

Gehen wir also besser in den Westen von Genua, in die Riviera di Ponente, wo wir neben vielen lokalen auch drei Weine finden, die man mit entsprechender Spürnase selbst bei uns entdecken kann:

Der Pigato: Niemand weiss, wie diese uralte weisse Rebsorte den Weg nach Ligurien gefunden hat. Wahrscheinlich haben wieder einmal die Griechen oder die Römer die Hand im Spiel gehabt. Einmal angekommen, hat sie hier aber alle Zeiten überlebt. Ihr Wein duftet reich und voll und erinnert an Wiesenblumen und Mandeln. In unserem ligurischen Menu würde ich ihn zu den Tintenfischen mit Artischocken servieren.

Der Vermentino: Diese Rebsorte ist auch sonst in Italien verbreitet und stammt wohl ursprünglich aus Spanien. Hier in Ligurien aber erbringt sie ganz eigenständige und zu Recht berühmte Weine, die delikat nach mediterranen Kräutern wie Salbei, Thymian und Rosmarin duften. Sie eignen sich sowohl als Aperitif wie auch zu den Dips der Vorspeise.

Der Rossese: Ganz im Westen Liguriens wächst auch ein Roter, der Rossese. Kaiser Napoleon war bei der Durchreise von ihm so begeistert, dass er den Winzern die Erlaubnis gab, auf dem Etikett seinen Namen zu erwähnen (was dann allerdings kaum einer tat). Man trinkt ihn klassischerweise zum geschmorten Kaninchen. Und so wollen auch wir es halten. Jung erinnert er von Ferne an einen guten Beaujolais mit viel Frucht und Saftigkeit. Lässt man ihn etwas länger liegen, so entwickelt er Milde und Eleganz.