Eingeschenkt: Korkenzieher, Muskelkraft und Hebelgesetz iStock.com

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Eingeschenkt: Korkenzieher, Muskelkraft und Hebelgesetz

Die Suche nach dem richtigen Korkenzieher ist knifflig, denn die Auswahl ist riesig.

Wenn ich heute daran zurückdenke, ist mir das Spässchen fast ein wenig peinlich: Ich gab meinen lieben Gästen eine Flasche Wein und einen Korkenzieher in die Hand und bat sie, doch den Wein für den Aperitif zu öffnen (während ich die mitgebrachten Blumen in die Vase stellte). Der Korkenzieher war allerdings ein Modell für Linkshänder. Und ein normaler Rechtshänder konnte die Spindel nie und nimmer in den Korken hineinbekommen, denn sie war eben «falsch» herum gedreht. Übrigens, den Korkenzieher (und damit auch das Spässchen) habe ich inzwischen entsorgt ...

Zwei Dinge bleiben aber als Lehre: Das Linkshändermodell war ein sogenannter T-Korkenzieher. Man klemmte die Flasche zwischen die Beine und dann waren Muskeln gefragt. Und wenn der Korken allzu fest sass, war da oft schon Schluss mit dem Aperitif. Der Bodensatz in der Flasche war zwar aufgewirbelt, aber die Flasche noch immer zu. Ende gut, alles gut? ... Nein, sicher nicht! Denn der menschliche Erfindergeist (und Spieltrieb) war geweckt und herausgefordert, mit der Folge, dass inzwischen weit über hundert Patente angemeldet wurden, um dieses an sich einfache Problem zu lösen.

Durchgesetzt hat sich das sogenannte Kellnermesser. Eine Spindel wird in den Korken gedreht, der ausklappbare Hebel wird auf den Flaschenhals gesetzt und schon kann man den Korken ohne grosse Anstrengung herausziehen.

Aber auch hier gibt es natürlich ein paar Stolpersteine: Erstens die Spindel. Sie muss offen sein und eine sogenannte Seele besitzen, das heisst, man sollte ein Streichholz durch ihre Mitte hindurchstecken können. Dazu muss sie einen möglichst weiten Durchmesser haben, um den ganzen Korken zu fassen und lang genug sein, um auch einen langen Korken bis zu seinem Ende zu durchbohren.

Ein anderes Problem ist die Muskelkraft. Mit dem Hebel des Kellnermessers ist da schon recht viel gewonnen, aber Achtung! Der Korken muss möglichst gerade aus der Flasche gezogen werden. Der Hebel ist zwar nützlich, aber er verlockt dazu, den Korken zu biegen. Und dann bricht er unweigerlich in zwei Teile. Da hilft nur eines: Man muss mit der linken Hand den Hebel fest zum Korken hindrücken, dann kommt er schön gerade heraus und es geschieht kein Unglück. Wenn man aber ein Kellnermesser mit einem zweistufigen Hebel besitzt, dann ist auch dieses Problem gelöst.