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Chasselas- eine Liebeserklärung

Chasselas- eine Liebeserklärung iStock.com

Ein bisschen beneide ich die Weinfreunde im Südbadischen Markgräflerland schon, sie haben für meine Lieblingsrebe den schönen Namen «Gutedel» gefunden.

Und damit treffen sie sowohl ihren noblen Charakter wie auch ihre sinnliche Schönheit in einem einzigen Wort. Wir Schweizer nennen sie einfach Chasselas oder Fendant oder mit dem Namen ihrer Herkunft: Yvorne, St. Saphorin oder Vully. Und damit hat sich’s.

Dabei führt uns schon ihre Ahnenreihe in geheimnisvolles Dunkel: Einige Forscher suchten ihre Wiege im märchenhaften Nahen Osten, in Ägypten oder im Jordantal. Neue DNA-Untersuchungen legen aber nahe, dass sie doch irgendwo an den Ufern des Genfer Sees stand. Hier fühlt sie sich wohl und von hier aus überblickt sie ihr ganzes Herrschaftsgebiet, das bis hinauf in die Walliser Berge und bis hinüber ins Dreiseenland reicht.

Auf den sanften Moränenhügeln zwischen Lausanne und Genf sind auch ihre Weine frisch, leicht und freundlich. Immer wenn auf dem See das Schiff sein Horn ertönen lässt, soll der Waadtländer Winzer sein Glas erheben und verkünden: «Santé, le bateau a sifflé». Es ist Zeit zum Anstossen. Denn diese spritzigen einheimischen Weine sind perfekt für jeden Anlass und für jede Tageszeit. Und zu den leichten Fischgerichten des Sees gibt es nichts Besseres.

Gehen wir aber von Lausanne nach Osten, so eröffnet sich uns ein landschaftliches Spektakel, das sogar als UNESCO-Welterbe ausgezeichnet wurde, das Lavaux. Hier sticht besonders die Appellation Dézaley heraus. Und deren Weine spiegeln dieses Naturschauspiel wunderbar in ihrem Charakter: Sie sind tiefgründig und mineralisch, fast hat man den Eindruck, den Duft der sonnenwarmen Steine zu riechen. Lässt man diesen Flaschen einige Jahre zur Reife, so entwickeln sie ganz erstaunliche Aromen, die an Wachs, Honig und Nüsse erinnern. Das von vielen Weinkennern als Aschenputtel verkannte Kind entpuppt sich als majestätische und elegante Königin. Zu ihr passt auch auf dem Teller nur ein erlesenes Gericht, ein edles Geflügel, geschmortes Rind oder auch eine Leberterrine.

Und damit sind wir beim Punkt. Genau darum liebe ich diese Rebsorte: Sie ist voller Überraschungen. In jeder Ecke der Schweiz und in jedem Jahr schmeckt sie anders, wie ein Edelstein, der das Licht bei jeder Drehung anders bricht.