Eingeschenkt

Sizilianischer Wein

Sizilianischer Wein Redaktion KOCHEN

Goethe hat halt wieder mal recht: «Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele. Hier ist erst der Schlüssel zu allem.» Das gilt selbst für den Wein.

Schaut man sich eine geografische Karte des Mittelmeeres an, so sieht man sofort: Zentral, mitten drin, liegt eine Insel, dreieckig, gross und dominant: Sizilien.

Hier führen und führten alle Wege vorbei, von Ost nach West, von oben nach unten und kreuz und quer. Und hier trafen sich die Völker wie in einem Schmelztiegel und schrieben über Jahrtausende Geschichte.

Das Klima auf der Insel ist heiss, die Sonne brennt und im Sommer beten die Bauern in der Kirche um jeden Tropfen Regen. Eine Landschaft also, wo die Kaktusfeigen wachsen, aber auch die mediterranen Klassiker Oliven und Wein. Schon vor rund dreitausend Jahren brachten die Griechen den Rebstock nach Sizilien und da blieb er, unbeeindruckt von allen Wechselfällen der Geschichte. Manchmal hat ihn diese Geschichte in die eine oder andere Rolle gedrängt, er hat sie gespielt und dann wieder vergessen.

Eine dieser Rollen liegt noch gar nicht so lange zurück, und ganz abgelegt hat er sie auch heute noch nicht. Denn der Löwenanteil der starken, feurigen Weine der Insel wurde bis vor Kurzem zur Aufbesserung der schwächelnden Weine des italienischen Festlandes exportiert. Gleichzeitig entdeckten seit den Neunzigerjahren die Winzer aber auch, dass man selbst hier im heissen Süden unverwechselbar frische und saubere Weissweine keltern kann, wenn man die Regeln der Kühltechnik beachtet. Zwei einheimische weisse Rebsorten profitieren glanzvoll davon und bezaubern die internationale Weinwelt: die nussig-aromatische Inzolia und die zitrusfrische Grillo. Selbst aus der weitverbreiteten Catarratto-Traube, sie war die Basis für den weltberühmten Marsala, können heute durchaus attraktive Weine gekeltert werden. Man kann es fast nicht glauben, aber rund 80% des sizilianischen Weines ist heute weiss. Trotzdem, es gibt auf Sizilien auch Rotwein. Und auch da hat die Insel einen einheimischen Prinzen zu bieten, den Nero d’Avola. Ob er allerdings wirklich so ganz einheimisch ist, wird bezweifelt, denn sein zweiter Name heisst Calabrese. So oder so, als Verschnittpartner oder als Solist, seine Weine sind typisch südländisch, weich, gehaltvoll und dunkel.