Eingeschenkt

Wandel im Weingebiet Thüringen

Wandel im Weingebiet Thüringen iStock.com

Klasse statt Masse: Der Weinbau in Thüringen und im benachbarten Bundesland Sachsen-Anhalt hat sich seit dem Ende der DDR stark gewandelt.

Es tönt wie eine Geschichte aus einer anderen Zeit: Als ich das erste Mal durch das Weinbaugebiet Saale-Unstrut reiste, war das noch tiefe DDR. Alles war staatlich geregelt, für die Winzer mit Ehrgeiz und Qualitätsbewusstsein gab es kaum Spielraum und so schmeckten auch die Weine: Ohne Schliff und Glanz kümmerten sie vor sich hin, während die Weine aus den Bruderländern wie Bulgarien und Rumänien den Markt beherrschten. Gleichzeitig fiel natürlich der blühende Markt im Westen ganz weg. Man produzierte für sich, zum Eigengebrauch und sass als Winzer gewissermassen auf dem Trockenen.

Dabei konnte das Gebiet auf eine lange und farbige Geschichte zurückblicken. Seit über tausend Jahren wird hier Weinbau getrieben, im 16. Jahrhundert soll der Weinbau in Thüringen sogar über zehn Tausend Hektaren bedeckt haben. Heute sind davon kaum mehr fünfzig übriggeblieben und knapp siebenhundert im benachbarten Bundesland Sachsen-Anhalt.

Aber seit der Wende 1989 blüht der Weinbau in den beiden Flusstälern von Saale und Unstrut wieder auf. Es sind vor allem einige unverdrossene Privatwinzer, die auch während der DDRZeit durchgehalten haben und sich jetzt wieder entfalten können. Und da die Weine kaum unter Absatzproblemen leiden, können sich diese Winzer auch flächenmässig ausdehnen. Der Weinbau hat sich, wie der berühmte Graf Münchhausen, selbst an den Haaren aus dem Sumpf gezogen und so vor dem Untergang gerettet.

Dabei kommt dem Gebiet natürlich zupass, was dem mündigen Bürger Sorgenfalten auf die Stirne treibt und die noch «unmündigen» Schulkinder am Freitag auf die Strasse: der Klimawandel. Saale-Unstrut ist das nördlichste Weinbaugebiet Deutschlands und konnte sich da oben nur entfalten, weil es in den Flusstälern Wärmeinseln gab und gibt, die es der Rebe erlauben, in den bisweilen harten Frostwintern zu überleben. Die globale Erwärmung hat dieses Problem etwas entschärft.

Heute wachsen in dem Gebiet hauptsächlich Weissweine, die mit ihrer erfrischenden Säure und viel duftiger Frucht überzeugen. Es sind vor allem die Rebsorten Müller-Thurgau, Weissburgunder, Silvaner und Riesling, die hier angebaut werden. Auf etwa einem Viertel der Rebfläche stehen aber auch rote Reben: Portugieser, Dornfelder und natürlich Spätburgunder.