Eingeschenkt

Das Wallis – Ein Weinland hinter den sieben Bergen?

Das Wallis – Ein Weinland hinter den sieben Bergen? Redaktion KOCHEN

Ja und nein! Kaum eine Region in der Schweiz besitzt einen solchen Schatz an autochthonen Rebsorten.

Ja: Für alle Nichtwalliser – und sicher auch für die meisten Walliser – ist das Wallis bis heute ein Land der Sagen und Märchen geblieben: In der Verborgenheit seiner Täler sollen Schätze ruhen, von denen oft nur vage Kunde über die Pässe hinaus zum Rest der Welt dringt. Das ist nicht nur beim Wein so, aber gerade auch beim Wein. Mit flüssigem Gold und funkelndem Rubin gefüllte Fässer sollen in Fels- und Gletscherhöhlen ruhen und reifen. Und auf den Hängen des Tals trägt mancher Rebstock Trauben, dessen Herkunft sich im Dunkel der Vorgeschichte verliert...

...und nein: Die Kunde drang aber doch hinaus in die Welt, denn hier im Wallis kreuzen sich eben auch die Wege: leicht und bequem nach Süden und Westen, etwas aufwendiger nach Norden und Osten.

Gerade hier am Kreuzweg zeigt das Wallis jetzt seine Schätze und manch einer im Süden und Westen staunt ob der unerwarteten Pracht und reibt sich die Augen, denn das Märchen wird plötzlich lebendig und eine Geschichte von heute mit echten Fässern, modernen Menschen und offenem Geist. Unterstützt wird dieses lebendige Märchen von traumhaften Hanglagen und Tausenden von Sonnenstunden. Im Verlauf der Jahrhunderte haben sich hier aus allen Richtungen der Windrose Reben angesiedelt, haben eine neue Heimat gefunden und sich spezifisch «walliserisch» weiterentwickelt. Heute wachsen in dem Tal mit seiner nach aussen abgeschlossenen Topografie fast 60 verschiedene Rebsorten, ein ungeheurer Schatz.

Dass dieser Schatz nicht in Vergessenheit geriet, sondern wieder entdeckt und gepflegt und gehegt wurde, ist vor allem einem Mann zu verdanken, den viele den Archäologen des Walliser Weines nennen, Josef-Marie Chanton, den seine Freunde nur «Chosy» nennen. Er hat die Rebberge seiner Heimat abgesucht und da ein paar Stöcke entdeckt, deren Laub im Herbst früher rot wurde und dort einen Weingarten gefunden, der vergessen war und langsam verwilderte. Mit offenen Augen hat er Fundstücke gesammelt und wieder mit Leben erfüllt. So hat er im Verlauf seiner Karriere viele Rebsorten gerettet, die sonst unrettbar verschwunden wären: Gwäss, Himbertscha, Lafnetscha, Eyholzer, Plantscher, wunderbar wird dieses Erbe heute von Sohn Mario Chanton weitergepflegt.

Mario Chanton im Keller der Visper Altstadt Redaktion KOCHEN

Mario Chanton im Keller der Visper Altstadt

Von links, Chosy Chanton, seine Frau Marlis und Sohn Mario in den Heida-Reben Redaktion KOCHEN

Von links, Chosy Chanton, seine Frau Marlis und Sohn Mario in den Heida-Reben